4. Februar 2019 um 12:12

Frauenspiritualität

Männer glauben anders. Frauen auch. Spätestens seit dem 2. Vatikanischen Konzil fordern Frauen verstärkt ein, das Leben der Kirche mitzugestalten. Nach Jahrhunderten, in denen vor allem Männer die kirchliche Glaubenspraxis prägten, suchen Frauen selbsbewusst nach eigenen Formen der Spiritualität, die ihrem Bedürfnis nach Gotteserfahrung und weiblichem Ausdruck des Glaubens entgegenkommt.

Als Katholischer Deutscher Frauenbund unterstützen wir Frau- en auf ihrer spirituellen Suche. In Friedrichshafen gibt es schon lange Andachten und Besinnungstage des KDFB-Zweigvereins, die Frauen mit viel Sorgfalt und kreativen Ideen gestalten. Neu ist das Angebot „Kirche anders. Frauenkirche“. Frauen feiern dort in einer ganz freien Form miteinander Liturgie. Lebensthe- men von Frauen stehen dabei im Mittelpunkt. Daneben laden wir als Diözesanverband zu geistlichen Angeboten für Frauen ein: zu Klostertagen unter dem Titel „FreiRaum“, zu Pilgerwegen oder auch zu Fortbildungen über frauenspirituelle Themen. Was aber kennzeichnet Frauenspiritualität, wie wir sie fördern wol- len? Dafür möchte ich vier Beispiele nennen:

  1. Wenn Frauen die Bibel lesen, dann spüren sie oft, dass die Texte durch Männer und ihren Blick auf die Wirklichkeit geprägt sind. Obwohl es in biblischer Zeit viele eindrückliche Frauen gab, wurden sie oft viel zu wenig beachtet. Die Bibel in weiblicher Perspektive zu lesen heißt, biblische Frauen herauszustellen und in ihnen Vorbilder für das eigene Leben zu finden.
  2. Spannend ist die Frage nach dem Gottesbild, das wir in uns tragen. Wir sind gewohnt, von Gott männlich zu reden und zu denken. Dies hat eine größere Wirkung auf unsere Gottesbeziehung, als wir oft denken. In der Frauenkirche versuchen wir, der weiblichen Seite Gottes Raum zu geben. Gott als Mutter, Gott als Freundin – auch wenn uns diese Bilder zunächst fremd erscheinen, so merken wir doch, dass sie vielen Frauen heilsam sind.
  3. Wir erleben eine große Offenheit von Frauen für ganzheitliche Ausdrucksformen des Glaubens. Gebet wird anders, wenn wir es nicht nur im Geist vollziehen. Begleitet durch Gesten, Bewegung oder Tanz führt es tief in unser Inneres und berührt unsere Seele.
  4. Frauen legen viel Wert auf Atmosphäre. Die ansprechende Gestaltung des Raums, die Sprache der Musik, bewusste Phasen der Stille helfen, innerlich einzukehren und Gott zu begegnen.

Zum Schluss: „ Frauenspiritualität“ , das ist ein großes Wort. Frauen sind verschieden in ihren spirituellen Bedürfnissen und natürlich lange geprägt von kirchlichen Traditionen, die mehrheitlich aus Männerhand stammen. Doch es ist gut, wenn Frauen sich in einer Zeit großer kirchlicher Umbrüche selbst auf den Weg machen, um ihre Sehnsucht nach einem beseelten, lebensrelevanten Glaubensvollzug zu stillen.

Claudia Schmidt, Geistliche Beirätin des KDFB Rottenburg-Stuttgart

 

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